Honigsorten

Welche Honigsorten gibt es?

Fest, flüssig, cremig. Weiß, goldgelb bis hin zu dunklem Bernstein. Die Auswahl im Supermarkt ist riesig. Nicht nur bei Konsistenz und Farbe muss man sich entscheiden, sondern auch geschmacklich zwischen Linde, Raps, Tanne, Heide, Akazien und vielen anderen Honigsorten. Wir erklären die Unterschiede und die speziellen Eigenheiten der verschiedenen Honigarten. 

Honigsorten von Blüte, Blatt und Nadel

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Honigarten, nämlich dem Blüten- beziehungsweise Nektarhonig und dem Honig aus Honigtau, den man auch Waldhonig nennt. Für den Blütenhonig saugen die Bienen mit ihrem langen Rüssel den Nektar aus den Blüten in ihren Honigmagen hinein. Zugleich lösen sie dabei mit ihrem Körper Blütenpollen aus den Staubgefäßen der Pflanze, bepudern sich damit und schieben ihn in die Pollenkörbchen ihrer Hinterbeine. Dies schafft eine Biene bis zu tausend Mal pro Tag. Zwischendurch fliegt sie immer wieder zurück zum Bienenstock, um Pollen und Nektar für die Honigproduktion abzuliefern.

Waldhonig dagegen entsteht nicht aus Blütennektar, sondern aus den Ausscheidungen pflanzensaugender Mini-Insekten. Blatt- und Schildläuse saugen den Saft verschiedener Laub- und Nadelbäume auf und verdauen ihn. Was sie nicht selbst verwerten, geben sie in Form von Zuckersaft, dem Honigtau, wieder ab. Diesen Rest sammeln die Bienen ein und verarbeiten ihn weiter zu Honig. Die Bezeichnung Waldhonig rührt daher, dass Honigtau vor allem an Fichten, Eichen und Tannen zu finden ist. Waldhonig ist flüssig und hat eine dunkle Farbe. Er schmeckt würziger und herber als Blütenhonig. 

Sortenrein oder sortenreich 

Haben die Bienen Nektar oder Zuckersaft überwiegend von einer Pflanzenart gesammelt, gilt der Honig als sortenrein. Für uns Verbraucher ist das wichtig zu wissen, denn jede Honigsorte hat ihre Eigenheiten und einen unverwechselbaren Geschmack.

Aber wie stellt der Imker sicher, dass seine Bienen nur bestimmte Pflanzen anfliegen? Die Antwort liegt in der Natur der Bienen. Diese entfernen sich in der Regel nur wenige Kilometer vom Bienenstock und sie sind „blütenstet“. Das heißt, haben sie erst mal eine gute Nahrungsquelle entdeckt, fliegen sie sie immer wieder an, bis alles eingesammelt ist. Solch eine feste Quelle nennen Imker „Tracht”. Liegt der Anteil einer Tracht im Honig bei 60 bis 80 Prozent, spricht man von sortenreinem Honig. Anteile anderer Honige nennt man Beitracht. Bis zu einem gewissen Grad kann ein Imker also steuern, welche Blüten seine Bienen anfliegen, indem er seine Bienenstöcke an bestimmten Standorten aufstellt. Ist sich der Imker unsicher, woher sein Honig stammt, kann er ihn im Labor auf Sortenreinheit testen lassen. Oder er kann ihn einfach als „Blütenhonig“ deklarieren. Kaufst Du einen Blütenhonig, kann es also sein, dass es sich um einen sortenreinen Honig handelt, der nicht überprüft wurde. Genauso gut kann es sich aber auch um einen Honig aus verschiedenen Trachten handeln. 

Wie viele Honigsorten gibt es?

Unzählige. Denn im Prinzip kann es von jeder blühenden Pflanze und von jedem Baum eine eigene Tracht geben. Entscheidend ist, dass genügend Exemplare einer Pflanzenart rund um den Bienenstock vorhanden sind. Als sortenreiner Honig wird in Deutschland hauptsächlich 

  • Rapshonig 
  • Sonnenblumenhonig
  • Löwenzahnhonig
  • Robinenhonig (Akazienhonig)
  • Lindenblütenhonig
  • Heidehonig und
  • Lindenhonig 

hergestellt. Als weitere Honigsorten – die aber kein Sortenhonig sind – gibt es bei uns vor allem Waldhonig sowie Frühjahrs- und Sommerblütenhonig. 

Wer sich auf deutsche, besser noch regionale Honigsorten, beschränkt, schließt zwar Spezialitäten wie beispielsweise Zitrus-, Lavendel- oder Thymianhonig von seinem Speiseplan aus, trägt dafür aber zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt bei und unterstützt lokale Imker. Außerdem hat regionaler Honig dank kurzer Transportwege eine bessere CO2-Bilanz als importierte Ware. Wenn auf dem Etikett „Echter Deutscher Honig“ steht, am besten noch in Bio-Qualität, machst Du also alles richtig. Mit dem Kauf von Bio-Honig stellst Du nämlich sicher, dass die Tiere im Umkreis von drei Kilometern reichlich ökologische Wildpflanzen als Nahrungsquelle finden. Auch die Bienenstöcke müssen aus natürlichen Rohstoffen gebaut sein und der Einsatz bestimmter Medikamente gegen Bienenkrankheiten ist für Bio-Imker tabu. Tatsächlich achten wir auf diese Kriterien auch beim Einkauf von unserem Bienenwachs (aus dem wir u.a. unsere Bienenwachstücher und Naturseifen herstellen), das ausschließlich aus bio-zertifizierten Imkereien stammt. Die wesensgemäße Bienenhaltung liegt uns sehr am Herzen! Dazu kannst Du auch unser Interview mit Demeter-Imker Alexander Schlotter lesen.

Unser Liebling: Presshonig

Presshonig ist keine spezielle Sorte, sondern bezeichnet das Herstellungsverfahren. Der Honig wird nicht wie üblich aus den Waben geschleudert, sondern herausgepresst. Pressen war bis zur Erfindung der Honigschleuder im Jahr 1865 der übliche Weg, um an die begehrten Bienenerzeugnisse zu gelangen. Die Honigwaben wurden aus dem Bienenstock herausgeschnitten oder -gebrochen und anschließend ausgequetscht. Presshonig ist eine ursprüngliche und heutzutage nur bei wenigen Imkern erhältliche Honigspezialität. Sie enthält große Mengen an Pollen und Propolis, dem antibakteriellen Kittharz der Bienen. Presshonig ist daher sehr gesund und schmeckt vollmundig. 

Auch für das Bienenvolk hat das Quetschen der Waben ganz andere Folgen als das Schleudern. Da beim Pressen die komplette Wabenstruktur zerstört wird, müssen die Bienen die Waben immer wieder neu bauen, das heißt, sie produzieren viel mehr frisches Wachs. Was nach Ausbeutung klingt, ist für die Bienen ein natürlicher Trieb, den sie bei der modernen Imkerei kaum noch ausleben können. Mehr über die ursprüngliche Honig- beziehungsweise Wachsgewinnung kannst Du in unserem Interview mit Archäoimkerin Dr. Sonja Guber lesen. 

Honig in seiner natürlichsten Form

Noch näher an der Natur als Presshonig ist der Scheiben- oder Wabenhonig.  Die von den Bienen mit Wachs verschlossenen Honigwaben kommen ungeöffnet als Ganzes auf den Tisch. Hier wurde garantiert nichts geschleudert, gepresst, gefiltert oder vielleicht sogar gestreckt. Von der Honigwabe schneidet man kleine Stückchen zum Verzehr ab. Wer sich an dem Bienenwachs beim Kauen nicht stört, erfährt ein sehr ursprüngliches, fast schon archaisches Geschmackserlebnis.

Welcher Honig passt zu was?

Beginnen wir mit der Konsistenz. Als Brotaufstrich mögen viele die cremigen Sorten wie Raps- und Sonnenblumenhonig oder cremig gerührte Blütenhonige. Sie lassen sich dick aufs Butterbrot streichen und die Finger bleiben sauber. Auch bei Kindern sind diese Sorten beliebt, weil sie mild schmecken. Zum Backen und Kochen sind die flüssigeren Sorten besser geeignet, etwa der blumig-milde Akazienhonig. Dieser passt auch hervorragend zu Schwarztee oder mildem Blauschimmelkäse. Malzige Sorten, wie Heide- oder Waldhonig, essen wir besonders gern in Kombination mit Schafs- oder Ziegenkäse. Es gibt kaum etwas Besseres: eine Scheibe knusprig frisches Sauerteigbrot, bestrichen mit Ziegenkäse, getoppt von einer Schicht würzig-herbem, malzig-dunklem Honig. Und schon sind wir im siebten Honighimmel.

Foto © Imkerei Heinrichsgarten®, Alexander Schlotter