Bio-Bienen – gibt’s das überhaupt?
Aber ja!

Eine Biene, die in den Bienenstock fliegt

Aber ja! Die Haltung macht den Unterschied

Der Umgang mit den Bienen entscheidet, ob ein Honig ökologisch oder konventionell hergestellt wurde, nicht die Flächen, von denen der Nektar oder der Honigtau stammt. Die Unterschiede liegen in der Betriebsführung und in der Tierhaltung. Etwa welches Futter die Bienen bekommen und in welchen Behausungen sie untergebracht sind. Denn durch den großen Flugradius der Bienen ist nicht immer zu erwarten, dass sie nur biologisch bewirtschaftete Flächen anfliegen. Auch wenn die Bio-Imker*innen dies bei der Aufstellung ihrer Bienenstöcke natürlich beachten. Welche Inhaltsstoffe – und auch welche Rückstände – Honig enthalten darf oder nicht, regelt alleine die Honigverordnung. Und diese gilt für alle Imker*innen, egal, ob sie ein Bio-Zertifikat haben oder nicht.

Neben der Herstellung von Honig, ist die Honigbiene auch aufgrund ihrer Bestäubungsleistung ein wichtiges Nutztier. Leider entsprechen ihre Lebensbedingungen selten denen in freier Natur.

Für unsere Bienenwachstücher kommt deshalb nur Wachs chemiefrei arbeitende Bio-Imker*innen in Frage. Denn chemische Produkte, die etwa zur Bekämpfung der Varroamilbe oder zur Desinfektion der Bienenstöcke benutzt werden, sammeln sich durch ihre Fettlöslichkeit im Bienenwachs.

Außerdem darf die “Bienenwohnung” (oder Beute) nur aus klimafreundlichen Materialien wie Holz, Lehm oder Stroh anstatt z.B. aus Styropor bestehen. Die Königinnen dürfen nicht künstlich besamt und auch ihre Flügel nicht beschnitten werden, um sie am Fortfliegen zu hindern.

Wesensgemäße Bienenhaltung

Eine besondere Form der Bio-Imkerei ist die wesensgemäße Bienenhaltung nach anthroposophischen Gesichtspunkten. Die Bedürfnisse des Bienenvolks stehen dabei im Mittelpunkt, nicht der maximale Honigertrag! Der natürliche Schwarmtrieb – also der Drang, ein neues Volk zu bilden, wenn es im Stock zu eng wird – wird in nicht unterdrückt. Bei einer wesensgemäßen Haltung ist die Beute, also die Behausung, die der Mensch den Bienen schafft, um sie artgerecht als Nutztier halten zu können, kein Stall, sondern ein Nistangebot. Die Entscheidung für oder gegen eine Beute trifft ein gesundes Bienenvolk selbst, das ist seine Freiheit.

Wir stellen euch demnächst einen “unserer” Bio-Imker*innen der biodynamischen Imkerei Heinrichsgarten vor, welcher nach dieser Art der Bienenhaltung imkert.

Wenn Ihr mehr über eine respektvolle Beziehung zu den Bienen erfahren möchtet, empfehlen wir Euch das Buch von David Gerstmeier und Tobias Miltenberger: Ökologische Bienenhaltung. Erschienen 2018 im Kosmos Verlag. Sie erklären, wie der „Bien“, der Gesamtorganismus eines Bienenvolks, funktioniert und welche Bedeutung Schwarmgeschehen, Naturwaben, Honig und Behausung für eine wesensgemäße Bienenhaltung hat.

Foto © Imkerei Heinrichsgarten®, Alexander Schlotter