Bienenfreundliche Balkonpflanzen
Unsere Tipps

Bienenfreundliche Balkonpflanzen

Dieses Jahr soll’s vor unserem Küchenfenster so richtig summen und brummen! Welche bienenfreundlichen Balkonpflanzen müssen also raus aus dem Topf? Und welche lassen die Herzen auch von Hummeln und Faltern höher schlagen?

Aus Sicht der Insekten gleicht das viele Grün in Parks und Gärten eher einer Wüstenlandschaft. Bei Kirschlorbeer, Rhododendren, Azaleen und Thujenhecken finden sie nämlich ebenso wenig Nahrung und Unterschlupf, wie auf kurz gemähten Rasenflächen. Jeder bienenfreundlich bepflanzte Balkon oder eine Terrasse voller Bienenweiden hilft den wertvollen Bestäubern. Also machen wir uns auf in die nächste Gärtnerei.

Halt. Nicht irgendeine Gärtnerei. In Baumärkten oder konventionellen Betrieben werden zwar auch insektenfreundliche Gewächse angeboten. Diese werden aber meistens mit Pestiziden behandelt, bevor sie auf dem Verkaufstisch landen. Solche Pflanzen möchten wir weder als Kräuter für uns ernten, noch den Bienen als Futter anbieten. Also suchen wir den nächstgelegenen Biobetrieb und gehen schließlich auf den Wochenmarkt.

Ein Liste vom BUND mit Anbietern von Bio-Saatgut findest Du hier.


Keine Mogelpackungen kaufen


Nicht alles, was gut aussieht, ist auch gut für Insekten, lernen wir dort. Je üppiger die Blüte, desto geringer ist oft das Nahrungsangebot für unsere sechsbeinigen Freunde. Die lieben eher die etwas unscheinbaren, die „Mauerblümchen“ sozusagen. 

Riesige Blüten und besonders leuchtende Farben gehören meistens zu den sogenannten Hybriden Zierpflanzen. Diese Hingucker entstehen, wenn zwei unterschiedliche Sorten miteinander gekreuzt werden, um möglichst große Blüten, Früchte oder eine besonders intensive Farbe zu erzielen. Solche Pflanzen sehen zwar prächtig aus, bilden aber weniger oder gar keine Pollen und sind daher für Insekten regelrechte Mogelpackungen. Eine Folge dieser Art von Zucht sind oft gefüllte Blüten. Dabei werden die Staubblätter und manchmal auch die Fruchtblätter zu reinen Schauorganen umgewandelt. Selbst wenn die Pflanze noch Pollen enthält, kommt kaum ein Insekt an sie heran, weil die zahlreichen Blütenblätter zu dicht beieinander liegen. 

Gefüllte Blüten finden wir derzeit beispielsweise bei Narzissen und Gänseblümchen. Im Sommer und im Herbst sind bei Clematis, Dahlien, Nelken, Pfingstrosen, Rittersporn, Rosen, Sonnenblumen, Akeleien und Chrysanthemen, entsprechende Formen präsent. Alle eben genannten Pflanzen gibt es selbstverständlich auch ungefüllt. Und nur diese sollte man kaufen. Aber Sträucher wie der Eibisch, der Ranunkel-Strauch oder sogar Bäume wie die japanische Zierkirsche sind nur in gefüllter Form erhältlich und damit nicht für Insekten nutzbar.


Kaum etwas falsch macht man, wenn man sich für heimische Wildpflanzen entscheidet.


Sie sind robust und kosten auch nicht viel. Man muss sie nicht betüddeln oder düngen. Sie brauchen keinen Frostschutz und wenn sie bei einer Dürre mal vertrocknen, haben sie garantiert schon ihre Samen verstreut. Außerdem haben sich viele regionale Wildbienenarten auf nur eine Futterpflanze spezialisiert und brauchen genau diese zum Überleben. Ein Grund mehr, auf exotische Gewächse zu verzichten.

Für sonnige Standorte eignen sich z.B.:

Färberkamille, Karthäuser-Nelke, Zypressen-Wolsmilch, Blut-Storchschnabel, Echtes Johanniskraut, Weißer Mauerpfeffer

Für halbschattige Standorte geeignet:

Wiesen-Flockenblume, Großblüttriger Ehrenpreis, Orangerotes Habichtskraut, Kleiner Ordermenning, Schafgarbe, Duft-Veilchen

Für schattige Standorte eignen sich:

Frauenmantel, Walderdbeere, Kleine Braunelle, Rote Lichtnelke, Zimbelkraut, Roberts-Storchschnabel


Lass die Kräuter blühen!


Auch Küchenkräuter sind meistens eine perfekte Bienenweide: Pfefferminze, Melisse, Salbei, Majoran, Lavendel, Bohnenkraut, Thymian, Schnittlauch – das Angebot auf dem Markt ist riesig. Wir wählen zehn unterschiedliche Kräuter für unsere bienenfreundliche Balkonkästen aus, darunter mehrjährige Stauden wie Thymian, Oregano, Salbei und Pfefferminze. Außerdem ein paar einjährige Kräuter wie Basilikum, Dill und Koriander. Beim Pflanzen sollte man die einjährigen nicht mit den mehrjährigen mischen, rät uns die Verkäuferin. Sie gedeihen besser, wenn sie unter sich bleiben und werden daher in unterschiedliche Kästen gesetzt. Und noch etwas ist wichtig: Wer Kräuter als Bienenweide pflanzt, darf nicht alles ernten! Nur wenn die bienenfreundlichen Balkonpflanzen blühen, haben auch die Bienen etwas davon. Wir nehmen uns also vor, nicht alle Kräuter selbst zu essen und einen Teil als Bienenweide stehen zu lassen. 

Weitere Tipps über bienenfreundliche Balkonpflanzen findest Du beispielsweise auf www.bienenretter.de/hilf-den-bienen/dein-einsatzort/, auf einem Flyer der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, den Du hier downloaden kannst www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/blumenkasten.pdf und beim BUND www.bund-naturschutz.de/landwirtschaft/garten.html


Bienenfreundliche Balkonpflanzen blühen lange und haben viel Nektar und/oder Pollen


Auf unserem Balkon ist noch Platz für Kübel und Töpfe. Auch diese wollen wir insektenfreundlich bepflanzen. Da heimische Wildstauden am besten auf die Bedürfnisse der hiesigen Insektenwelt abgestimmt sind, entscheiden wir uns als erstes für eine robuste, winterharte Fetthenne. Sie verträgt sowohl Trockenheit als auch verregnete Sommer und blüht von Juni bis September. Außerdem landen noch Lungenkraut, Sonnenauge, Blutjohannisbeere und der Gewöhnliche Natternkopf im Einkaufskorb. Als erstes werden sich die Blüten der Blutjohannisbeere öffnen, voraussichtlich von April bis Mai. Ab Juni blühen dann Sonnenauge, Fetthenne und Natternkopf bis in den Spätherbst hinein. Das Lungenkraut ist für ein schattigeres Plätzchen gedacht. Es blüht bereits im März und im April.

Damit Bienen, Hummeln, Schmetterlinge oder Käfer von April bis Oktober etwas zu futtern haben, sollte man Pflanzen aussuchen, die zeitlich versetzt blühen. Deshalb hier ein paar beispielhafte Nahrungspflanzen für Insekten nach Jahreszeiten:

Frühling

Die ersten Frühblüher sind vor allem Zwiebelpflanzen, die bereits im Herbst gesteckt werden:

Schneeglöckchen, Märzenbecher, Krokus, Winterling, Wildtulpe, Traubenhyazinthe

Danach kommen beispielsweise
Tränendes Herz, Lungenkraut, Vergissmeinnicht, Akelei, Kugel-Lauch, Taubnessel

Sommer

Das Blühen geht weiter mit

Eisenhut, Duftnessel, Kapuzinerkresse, Natternkopf, Sonnenblume, Sonnenbraut

Herbst

Viele Pflanzen blühen bis in den Herbst hinein, andere beginnen mit Ihrer Blüte erst jetzt, etwa

Bartblume, Fette Henne, Herbstaster, Mädchenauge, Sonnenhut, ungefüllte Dahlien 


Bienenfreundliche Balkonpflanzen wachsen lassen


Bienenfreundlich gärtnern heißt wachsen lassen. Vor unserem Balkon liegt ein Hinterhof mit einer Brachfläche. Die Beete und Wiesen dort sind seit Jahren mehr oder weniger sich selbst überlassen – ideal für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. „In einem bienenfreundlichen Garten kommen rund die Hälfte der Pflanzen aus dem eigenen Bestand, wenn man die Pflanzen einfach wachsen und ausblühen lässt.“ Diese Erfahrung hat Imkerin Sonja Guber aus Marburg gemacht. Die promovierte Archäologin und Lehrbeauftragte beim Landesverband Hessischer Imker, plädiert dafür, nicht unbedingt neue Pflanzen zu kaufen. Viel wichtiger sei, den Rasen nicht ständig zu mähen und auch nicht zu mulchen. „Dann dauert es nämlich nicht lange, bis viel mehr wächst als nur Gras. Aber das muss ein Gärtnerherz erst mal aushalten lernen. Klee und Löwenzahn werden sicher bald sprießen und beides sind hervorragende Bienenweiden“, weiß Sonja.

Auf der Wiese vor unserem Balkon öffnen vereinzelt Schneeglöckchen, Krokusse und Märzenbecher ihre Blüten. Wir nehmen uns vor, in diesem  Herbst mehr Knollen und Zwiebeln zu kaufen und rechtzeitig in die Erde zustecken. Besonders nachhaltig sind Zwiebelpflanzen, die „verwildern“, etwa Blaue Anemonen, Elfenkrokus, Winterlinge, Wildtulpen und Wildnarzissen. Sie können jahrelang am gleichen Standort bleiben und vermehren sich von selbst über Brutzwiebeln oder Samen. Wie schön wäre es, in den kommenden Jahren von unserem Balkon auf einen Teppich voller Pollentankstellen für Bienen, Hummeln & Co. zu blicken!

Eine Liste mit bienenfreundlichen Zwiebel- und Knollenpflanzen findest Du hier.
Mehr Infos über unsere Manufaktur findest du hier.

Fotos: © Sonja Guber